Für Leib und Seele — Kulinarisches in der Langen Nacht der Museen


Berlin kocht

Was wäre eine Lange Nacht ohne ein anständiges Abendessen? Wer nicht schon zu Hause vorgesorgt hat, kann auch in einigen Museen auf kulinarischen Pfaden wandeln und die eine oder andere Köstlichkeit probieren. Und dabei lässt sich so einiges darüber erfahren, was bei Ur- und Wahlberlinern so auf den Tisch kam und kommt. So kann man etwa im Ephraim-Palais einen Blick in Johann Gottfried Schadows Speisezimmer werfen, wo er seinen Gaumenfreuden frönte. Wer wie er seinen Tisch dekorieren möchte, kann hier gleich die passenden Obstschalen und den zauberhaften Blumenschmuck herstellen. Nicht weit entfernt, im Knoblauchhaus, wird der Familie Knoblauch in Schüsseln, Terrinen und auf die Teller geschaut: Dort gab es duftende Braten, dampfende Brotsuppe, frischen Fisch aus dem Havelland und zum Nachtisch Zitronencreme. Die Rezepte gibt es zum Nachkochen mit nach Hause. Im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf wird in alten Kochbüchern aus dem 18. und 19. Jahrhundert geblättert. Hier können Zitronenlimonade und andere Berliner Köstlichkeiten probiert werden. Vermutlich völlig ungewohnt war der Geschmack der Hauptstadt für den japanischen Mediziner und Schriftsteller Mori Ôgai. Mit Freunden in Berlin und später auch in Japan probierte er sich durch die deutsche und europäische Küche. In den Vorträgen der Mori-Ôgai-Gedenkstätte wird auch einiges über einen Selbstversuch mit deutschem Bier verraten und es wird geklärt, dass weißer Reis auch so seine (gesundheitlichen) Tücken haben kann. Ganz zeitgenössisch geht es im Friedrichshain-Kreuzberg Museum zu: Was so in den Töpfen der Friedrichshainer köchelt, soll in einem neuen Buch zu erfahren sein, dessen Konzept an diesem Abend vorgestellt wird. Dass das Essen in Friedrichshain-Kreuzberg so international ist wie seine Bewohner, zeigt Dieu My Vu, die eine Einführung in die vietnamesische Küche gibt. Wie sehr sich die Gastronomie rund um die Oranienstraße in den letzten Jahren verändert hat, wird in einer Führung erläutert, und Frank Sorge glorifiziert in seiner Lesung ein (Ur-)Berliner Gericht — den Döner. Ein Museum widmet sich gleich ganz einer in Berlin erfundenen Speise: der Currywurst. Im Deutsches Currywurst Museum Berlin lässt sich die Herstellung der beliebten Wurst virtuell verfolgen, in der Gewürzkammer kann der eigene Geruchssinn getestet werden, und natürlich kommt auch das leibliche Wohl nicht zu kurz.

Über den Tellerrand geschaut

Gegessen wird natürlich von jedem, überall und zu allen Zeiten, und so lassen sich in den Museen auch ganz andere Essgewohnheiten entdecken. Das Deutsche Historische Museum etwa geht mit seinen Führungen auf Zeitreise: auf den Markt und zu Gelagen des Mittelalters, zum gesitteteren Zeremoniell und Mahl der Frühen Neuzeit, zu reichem Überfluss und bitterem Mangel in der Kaiserzeit und zu den Hamsternden und Hungernden des 20. Jahrhunderts. Das Jüdische Museum hat seine Führungen ganz auf die kulinarischen Seiten der jüdischen Tradition ausgerichtet, die ersten tausend Gäste werden sogar mit Rugelach, einem kleinen süßen Hörnchen, empfangen. Ein Rezept dafür ist in einem von Cynthia Barcomis Backbüchern zu finden, im Bertelsmann Unter den Linden 1 zeigt sie in der Langen Nacht ihr süßes Können live. Hier wird in einer Lesung auch gleich die ganze Geschichte der Weltliteratur in 15 Rezepte verpackt. Geschichte ist auch die Mangelwirtschaft der DDR. Was es im Konsum zu kaufen gab und was die ostdeutschen Bürger kulinarisch daraus zauberten, wird im Museum in der Kulturbrauerei erhellt. Ganz lichtlos geht es im Deutschen Blindenmuseum zu: Ob sich der Geschmackssinn verändert, wenn man nicht sieht, was man isst, lässt sich in der Dunkelbar herausfinden, die das Blindenhilfswerk Berlin in der Nacht öffnet. Wissenswertes zu verschiedenen Esskulturen wird im Museum für Naturkunde serviert: Führungen, Aktionen und mehr verbinden Gaumenfreuden mit Wissenschaft. Auch die beliebte Cocktailbar unter Sauriern ist wieder geöffnet. Tierisch geht es natürlich auch im Zoo-Aquarium Berlin zu. Hier geht es aber nicht um unsere Gaumenfreuden, in den Schaufütterungen ist hier zu erleben, was Haie, Rochen und andere Fische so verspeisen.

Die ganz besondere Zutat

Dass man Hanf nicht nur zu Seilen verarbeiten und rauchen kann, davon kann man sich im Hanf Museum Berlin überzeugen: Hanfbrot, Hanfgebäck, Hanf als Hauptgericht, Hanfu — Tofu aus Hanf, Hanftee, Hanföl ... aus dem nahrhaften Gewächs lässt sich so einiges zubereiten. Kathrin Gebhardt, Autorin des Buches »Backen mit Hanf«, stellt auch gleich einige neue Rezepte vor. Nicht das Haar, sondern die Buchstaben in der Suppe sucht das Museum der Unerhörten Dinge — denn in der schmackhaften Buchstabensuppe stehen alle Geschichten schon geschrieben. Um das Grundnahrungsmittel schlechthin geht es in der St. Matthäus-Kirche: Unter dem Titel »Unser tägliches Brot?« spricht Günter Loske Texte von Paul Celan, Hagen Rether, Huub Osterhuis und Benedikt Werner Traut. In der Nikolaikirche zeigen kostbare wie kuriose Abendmahlsgeräte die Bedeutung von Brot und Wein im Gottesdienst.

Mit Messer und Gabel

Was wäre ein köstliches Mahl ohne Essgeschirr und Tafelbesteck! Es muss ja nicht immer so prunkvoll sein wie am Hofe der Hohenzollern. Im Schloss Charlottenburg erläutert Schlossleiter Rudolf G. Scharmann, was zur höfischen Tafelkultur gehörte. Die schönsten Tafelgeräte aus Silber und Gold und erlesenes Meißener und Berliner Porzellan werden in der Silberkammer präsentiert. Etwas bescheidener geht es in der Rixdorfer Schmiede zu. Hier zeigt eine Sonderausstellung Alltägliches und Kurioses aus der Geschichte des Bestecks, und am Schmiedefeuer entstehen Besteckklingen in Handarbeit.

Feiern von spät bis früh

Ein Stückchen Torte, bevor es los geht? Oder erst, wenn der neue Tag anbricht? Im Schwulen Museum und im Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung werden Geburtstage begangen. Das Schwule Museum feiert seinen einjährigen am neuen Standort in der Lützowstraße. Im Bauhaus-Archiv wird um Mitternacht der 131. Ehrentag des Bauhausgründers Walter Gropius eingeläutet. Natürlich gibt es in beiden Häusern eine Geburtstagstorte. Wenn das kein guter Start oder gebührender Abschluss der Langen Nacht der Museen ist!

 
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